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Sonntag, 25. November 2012

Trans India

Ich bin wieder online. Nach ein paar Tagen,die, falls ich ueberhaupt mal an sie zurueckdenken sollte, mir kein Leuchten in die Augen zaubern werden, bin ich in Darjeeling angekommen. Was ist in der Zwischenzeit passiert?

In Agra hatte ich mir abends noch eine Massage gegoennt, da mein Nacken und Schultern verspannt waren. Doch statt darauf ordentlich einzugehen, wollte der Typ die ganze Zeit ne Ganzkoerpermassage machen und mir die Boxershort runterziehen... Die 30 Sekunden, die er mit den Schultern verbracht hat, zeigten dass er eigentlich was von seinem Handwerk versteht. Aber ich konnte ihn nicht dazu bewegen, dort weiterzumachen... Er meinte "spaeter" und irgendwann war die Zeit rum. Ist das alles nervig wenn man nicht das bekommt was man vereinbart hat.
Fans einer der unzaehligen Raststaetten unterwegs nach Osten

Fuer die Route nach Darjeeling wollte ich noch, wenn ich ohnehin dort in der Naehe vorbeiratter, in Varanasi anhalten. Varanasi liegt am Kalkutta Highway. Weicht als etwas von meiner Route gen Sueden ab. Irgendwo werde ich also wieder Feldwege Richtung Norden nehmen muessen, da es im Osten Indiens keinen Nord-Sued Highway gibt. Man kann aber auch wirklich niemanden nach Informationen fragen. Einheimische kommen selbst nur selten raus aus ihrer Umgebung, erzaehlen aber gerne wovon sie getraeumt haben. Mittlerweile bin ich oft genug Umwege gefahren, weil ich auf Locals gehoert habe. Googlemaps hat nicht alle Strassen und unterscheidet nicht zwischen Zweispurigen Landstrassen und 4 Spurigen Highways. Und bei der Old-School Karte bin ich mir nicht sicher, ob schon alle neugebauten Highways enthalten sind. Ich kam mir so clever vor, dass ich auf der Wikipedia Seite mir das Autobahnnetz heruntergeladen habe und daran meine Route ueber Varanasi nach Darjeeling ausgerichtet habe...

Lustig: ich hatte ja diesmal gar nicht vor Fikal-Tourismus zu betreiben, aber wenn unser Staatsfernsehen schon damit anfängt: www.tagesschau.de/ausland/indientoiletten100.html?r=&lid=209915
Zum meinen Favouriten Impressionen zu diesem Thema gehoeren zwei Burschen, die sich auf dem Highway über den Bordstein des Mittelstreifens gehockt haben. Den blanken Hintern und deren Ladung nur Zentimeter entfernt von den vorbeirauschenden LKWs

Uebrigens ueberascht mich noch immer die "fehlende" Polizeipraesens. Nach den Wochen im Iran und Pakistan wo stets an jeder Ecke irgendeine der militaerischen Organisationen ihren Posten bezog und mich des Oefteren auch durchcheckten, komme ich mir nun glatt allein vor.
Selten sieht man hier die Jungs der hellbraunen Uniform und meist eher gut gelaunt ohne Taetigkeit oder als Verkehrspolizist (Sisyphus-Dirrigent). Lediglich einmal als ich solche Jungs an einer unbeschilderten Kreuzung nach der Richtung fragen wollte, antwortete der Juengste von ihnen: Document Check! Ich dachte das koenne doch nicht wahr sein - da muss man sich bei den Jungs selbst melden, um gefilzt zu werden? Ich fragte ihn, welche Dokumente er denn sehen will und bekam eine typisch indische Antwort: "yes, document check!" Diesen Dialog fuehrten wir ungelogen 5 Strophen weiter, bis ein aelterer Kollege mich einfach durchwinkt. Der juengere Polizist fragte mich noch, ob meine Dokumente denn vollstaendig seien. Wie irrwitzig. Offensichtlich hat er doch keine Ahnung, ueber welche Dokumente ich ueberhaupt verfuegen muss. Ich bejahte jedoch ganz brav und gab Gas...

Ansonsten fasziniert mich hier die gruene Bewegung, gerade in den Himalaya Regionen. Wasser sparen, Plastik vermeiden! Zum Beispiel sind in gewissen Regionen Plastiktueten verboten. Dennoch gibt es keine Kanalisation und derart sehen die Fluesse aus. Den heiligen Ganges in Varanasi konnte ich dazu live erleben!


billige Stehplaetze
Ja, es ist mitten auf dem Highway...

so auch dieses




Und hier schnappte ich mir doch noch mal einen Trekker-Transporter bei Tageslicht -Wie viele sind es?

Ploetzlich freie Strassen! Je weiter Richtung Osten des leerer und angenehmer wurde es!

Autobahnauffahrt

Lehmziegelbrennerei - davon gibt es eine ganze Menge ueber das Land verstreut

Kies bis ueber die Oberkante Unterlippe. Die Saat wird dann und wann bei Schlagloechern und Brueckenpuckel verstreut




Wenn der Highway durch die Doerfer fuehrt, kann man froh sein, wenn man ueberhaupt noch rollt.




Seit Delhi, oder eigentlich schon seit Lahore habe ich das Problem, dass ich Nachts nicht einschlafen kann und teils nachts noch aufwache, bis zu 20 mal oder so. Da ich aber keinesfalls muede in diesem Verkehr unterwegs sein will – da koennte ich ja auch gleich von ner Bruecke springen – nutze ich den Morgen zum Schlafen. Und so komme dieser Tage oft erst zwischen 10 und 13 Uhr auf die Strasse. Dafuer bin ich abends fit, wenn es schon gegen 5 halb 6 dunkel wird, die Fussgaenger und der Zoo die Autobahn langsam verlassen und selbst die Anzahl der LKWs nimmt ab. Ich wuenschte mir eine bessere Frontausleuchtung, aber die leeren Strassen sind Balsam auf die qequaelte Kutscherseele.

Jedenfalls Richtung Varanasi habe ich mir erst gegen halb 9 ueberlegt doch mal anzuhalten und in einem mittelkleinem Kaff nach etwas Hotelartigem zu suchen. Googlemaps unterstuetzte mich heute hierbei. Das erste war mir zu schaebig fuer den Preis. Das zweite hatte keinen sicheren Parkplaetz. Die Region hier gilt als aufmuepfig und unsicher. Eigentlich sagen mir alle Leute hier ich solle im Dunkeln nicht mehr unterwegs sein. Vor dem zweiten Hotel ereifern sich aber zwei Schuljungen als Hotelsuchgehilfen. Das dritte Hotel war mir zu teuer, das vierte war selbst mir zu schaebig – erst recht fuer den Preis – das vierte war fast genauso schaebig, aber fuer den halben Preis. Und parken in der Hotellobby. Davon habe ich leider das Foto vergessen, weil ich so schlecht gelaunt war. Die ueberaschende Hilsbereitschaft und ihre ehrliche Freude, als ich dann doch mal ein Zimmer zusagte, baute mich auf. Nachdem sie schon gegangen waren, kam Aditya zurueck und meinte sein Vater wolle mich unbedingt kennenlernen und er wuerde mich zum Abendessen zu Hause einladen. Fuer den Jungen waere es echt ein Gefallen, fuer mich eine spannende evtl sogar positive Erfahrung und essen musste ich tatsaechlich noch.

So sass ich in dem Universalraum der Familie (Schlaf/Ess/Wohnzimmer) mit Aditya (Mathestudent), seinem Vater (Projektmanager im Autobahnbau), der Cousine (IT-Officerin in der Navy, eingesetzt auf den Andamanend (Heimaturlaub)) Mutti war fuer mich am Kochen und noch Bruder und dessen Frau vom Vater. Kreuzverhoer! Aber ich schlug mich trotz eines langen konzentrierten Arbeitstags wacker. Es war echt mal eine positive Erfahrung in Indien. Am naechsten Morgen sollte ich zum Fruehstuecken vorbeischauen, doch da ich erst gegen 3 einschalfen konnte habe ich Aditya um 7 Uhr gebeten unser Wiedersehen auf Facebook zu verschieben.

Doch mich erholen konnte ich nicht, weil nahezu den gesamten Morgen irgendwer gegen meine Tuer bollerte und meine Aufmerksamkeit wollte wegen nichts! (Ob ich noch Wasser wolle…!?! Und aehnliches) Dementsprechend schlecht gelaunt krabbelte ich erst um halb 12 aus dem Bett und dueste ohne Fruehstueck so schnell wie moeglich weiter.

1 Kommentar:

  1. das lange Warten hat sich gelohnt - wieder ein gut abgehangener liekmailer
    uLi

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